Heute Abend hatte ich das “Vergnügen”, beim Chilli machen (es gab Chili con Carne mit Kartoffeln statt Bohnen … sehr lecker!!!) nebenbei das Duell zu schauen. Als ich fertig war mit Essen machen, haben wir auf den Simpsons-Film umgeschaltet.
Nun bin ich sicher kein Freund von Populismus, doch muss ich schon anerkennen: Zur Politik gehört Populismus, in Maßen. Davon war bei Merkel und Steinmeier freilich nichts zu sehen. Sogar das Wahlprogramm der SPD und CDU sind aggressiver und populistischer geschrieben, als was die beiden Listen-Ersten da von sich gaben.
In Rhetorik und Argumentation sind beide durchgefallen. Als Vergleich: Im Ami-Land war ich in einem Junior-High Debattierkurs, (Junior = 9 u. 10 Klasse), und dort hat man sich mehr Mühe gegeben als die beiden Spitzenkandidaten heute Abend. Deren Auftritt war so schlecht, dass sie sich entweder nicht ordentlich vorbereitet hatten, oder ihre Berater keine Ahnung haben von Rhetorik. Ich kann es mir jedenfalls nicht erklären.
Nicht, dass sie nicht faktensicher gewesen wären, ganz im Gegenteil. Nur mit Wahlkampf haben beide wohl nichts am Hut. Dieses “Duell” war eine Art friedlicher Ideenwettbewerb, in Einzelmonologen, nur unterbrochen vom gelegentlichen ins-Wort-fallen durch die Moderatoren. Und diese Talk-Master, wenn man sie so nennen will, repräsentierten in diesem Horrorfilm der Rhetorik-Ahnungslosen die Gruppe der hirntoten Zombies – 2 Spitzenkandidaten im gleichen Raum, aber keine einzige Rechtsfertigungsfrage (”Warum …”) gestellt. Hirntot!
Natürlich ist meine Bewertung dieses “Duells” auch deshalb so schlecht, weil ich ein “Duell” erwartete. Die Ziele einer einer politischen Debatte sind normalerweise für den jeweiligen Teilnehmer …
1. … die Präsentation des eigenen Wahlprogramms.
2. … Unterschiede zur Gegenseite akzentuieren.
3. … Fehler der Gegenseite aufzeigen.
Nach dieser Reihenfolge / Prioritätenliste.
Was wir aber sahen war ein Gruppeninterview, bei dem die Antworten nach folgendem Motto gegeben wurden: Wenn ich eine “Sachlage” nur lange genug erkläre versteht es der Wähler irgendwann, und das reicht.
Der Hauptfehler dieser Denkweise ist, dass der Wähler nicht von seiner Position abgeholt wird, dass man also nicht davon ausgeht das der Wähler schon eine Meinung haben könnte. Das ist, als ob ein Autohändler einem möglichen Käufer lang und breit die technischen Spezifikationen seines Spitzenmodells auflistet, ohne auch nur ein einziges mal zu erwähnen WARUM (Rechtfertigung) diese Spezifikationen für den Käufer von Vorteil wären. Das große Menschenfischen der Spitzenkandidaten war das “Fernsehduell” jedenfalls nicht.
Meine Wahlentscheidung wird davon nicht beeinflusst. Dafür bin ich aber gespannt auf Steinmeier am nächsten Samstag in Kassel, ob er da besser ist.