Wahlloses Ranking nennt man das, mit dem sich allerlei Organisationen ständig in den Medienvordergrund spielen. Das die Uno dies auch tut, überrascht mich aber total: Laut einem Spiegel-Online Bericht vom 5.10. landet Deutschland bei der Lebensqualität auf Platz 22 hinter Ländern wie Großbritannien, Australien, Frankreich, Spanien, Italien und den USA.
Welche Faktoren zur Berechnung herangezogen werden, dazu zitiert SPON derart schwammig das ich gar nicht darauf eingehen will. Es dürfte jedoch klar sein, dass hier schwerwiegende Fehler bei der Faktoren-Akzentuierung gemacht wurden.
Und schon ein einziger einfacher Grund beweist dies: Die Wohnsituation in Deutschland.
Wegen des Krieges haben wir in Deutschland eine Menge Wohnungen die noch relativ jungen Alters sind. Damit einher geht ein gewisser Standart bei der Infrastruktur dieser Gebäude: Fernwärme, gute Wasserversorgung, stabile Stromversorgung. Wenn man das kombiniert mit der Wirtschaftskraft des Landes, der RELATIV niedrigen Arbeitslosigkeit (für eine soziale Marktwirtschaft) und dem sozialen Auffangnetz welches nach wie vor um Längen luxuriöser ist als das der meisten anderen Staaten (auch hier: wegen dem Krieg) so kann man getrost auch ohne Auslandsaufenthalt davon ausgehen, dass wir es hier verdammt gut haben in Deutschland … und das es weltweit SEHR WENIGE Ort, und schon gar nicht ganze Staaten, gibt die damit mithalten werden können.
Kurz gesagt: Wenn du in einem Land mit hoher Wahrscheinlichkeit ein eigenes Dach über dem Kopf hast und genug Geld übrig bleibt um dich zu ernähren – dann herzlich Willkommen in irgendeinem Industrieland mit sozialem Netz. Sind Stromausfälle, Rauswurf durch einen Vermieter, stabile Warmwasserversorgung, eine Form von Heizung sowie eine hohe Anzahl öffentlicher Services in der Nähe, dann befindest du dich vermutlich in Deutschland.
Ganz sicher befindest du dich nicht in den USA, GB, Italien oder Spanien.
Und da wären noch die weichen Faktoren, die man ohnehin selten in einer Studie verarbeiten kann: Ein riesiger Binnenmarkt ist recht förderlich für regionale Produkte, sodass dem Verbraucher in jeder Richtung eine hohe Auswahl zur Verfügung steht für sein täglich Brot. Unser staatlich gefördertes kulturelles Angebot, unser gut ausgebautes Netz öffentlicher Verkehrsmittel, uns Flaschenpfandsystem und unser genereller Hang zum Recyclen tun ihr übriges. Und wer mal länger Zeit im Ausland war der wird zu schätzen wissen, dass es in Deutschland eine große Menge von Festen und anderer ehrenamtlich organisierten Events gibt, vom Laien-Theater in der Nachbarschaft bis zur LAN-Party-Truppe, und sowieso die unzähligen öffentlichen Feste auf Firmengeländen, Schulen, Marktplätzen.
Ich war in GB und den USA als Nicht-Tourist, ganz zu schweigen von meinen Bekanntschaften: Die Behauptung, diese Länder hätten eine generell bessere Lebensqualität ist absolut lachhaft. Jeder Ami und Brite, der hier lebt, wird das bestätigen können.
Ich wünschte nur, das mehr Leute wie ich ein wenig Erfahrung außerhalb Deutschlands sammeln könnten, dann wäre vielleicht unser politisches Klima ein anderes. Leider wird diese blödsinnige Studie der Uno wird nicht gerade zur Verbesserung beitragen. Wenn Schweiz, Lichtenstein und Japan vor Deutschland liegen – akzeptiert. Alles andere ist, wie so oft, Ergebnis eines wahllosen Rankings.